Die iPhone-Orgie
(In der Rubrik "off topic" landet alles, was nichts mit "immer mehr" zun tun hat, wir aber trotzdem loswerden wollen.)
Das iPhone ist ein Produkt des börsennotierten Megakonzerns Apple. Jeder, der über dieses Produkt berichtet, macht vor allem eins: kostenlose Werbung für Apple. Oder sieht das irgendwer anders? Nein? Dann kann ich ja weitermachen.
Besonders bemerkenswert ist, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung heute mit dem Thema umgeht. Auf der Titelseite ist folgendes zu sehen:

Das Feuilleton macht dann also mit launigen Betrachtungen (nur für Abonnenten) in Sachen iPhone auf. Da schreibt beispielsweise Michael Althen: „So verführerisch war die Zukunft, vor der uns alle immer warnen, schon lange nicht mehr.“ Claudius Seidl darf/muss berichten, wie er in New York mit seinen amerikanischen Freunden auch im Nachtleben nur noch über das Eine reden kann, und Nils Minkmar assoziiert über die Form des iPhone: „Wenn die ersten Menschen einen Hau- oder Ritzstein benutzten, wird er so ausgesehen haben, handtellergroß und flach, vom Wasser geglätteter Granit.“ Und: „Wie alle guten Erfindungen ist auch das iPhone in Wahrheit eine Erinnerung: an die Kindheit der Menschheit [...]“ Das ist bestimmt irgendwie ironisch gemeint. Aber auch ironische Werbung bleibt Werbung. In der Unterüberschrift heißt es übrigens: „Seit Freitag gibt es das iphone zu kaufen – keine Zeit für Konsumkritik“ Ja, warum denn eigentlich nicht?
Auf Seite 41 dann berichtet Roland Lindner auf einer halben Seite unter der pathetisch-metaphorischen Überschrift "die Geburt des iPhone" über das Schlangestehen in New York und das Medienspektakel drum herum. Der Infokasten im Text ist mit „Das „Jesus Phone““ überschrieben. Für Anführungszeichen hat es gerade noch gereicht.
An diesen Artikeln wird klar, mit welch einfachem Trick auch seriöse bis gehobene Medien bei der iPhone-Orgie mitmachen können: Sie erheben sich einfach auf die nächste Reflexionsebene und blicken von da aus auf den Medienzirkus herab. Meta-Berichterstattung. Ein bisschen Augenzwinkern und Kopfschütteln über den ganzen Rummel, ein wenig Ironie als Deckmantel, und schon verschwinden die journalistischen Bauchschmerzen soweit, dass anderthalb Seiten iPhone-Artikel irgendwie doch vollkommen okay sind.
Auf der Medienseite der selben Zeitung schreibt Stefan Niggemeier heute: „[...] hat einem neuen journalistischen Genre zum Durchbruch verholfen – dem Bericht, der sich von sich selbst distanziert.“ Und: Durch die pseudojournalistische Haltung würden die Medien davon ablenken, dass „ihnen auch nur ein vages Gefühl dafür, was relevant ist und was nicht, längst grundsätzlich verrutscht ist.“
In dem Artikel geht es um Paris Hilton, nicht um das iPhone.
Das iPhone ist ein Produkt des börsennotierten Megakonzerns Apple. Jeder, der über dieses Produkt berichtet, macht vor allem eins: kostenlose Werbung für Apple. Oder sieht das irgendwer anders? Nein? Dann kann ich ja weitermachen.
- Spiegel Online brachte (laut Archiv) im letzten Monat 27 Artikel über das iPhone. Also fast jeden Tag einen. Die Quadratwurzel, an der beinahe der EU-Gipfel gescheitert wäre, kommt im gleichen Zeitraum nur 26-mal vor. Der Mindestlohn, Dauerbrenner der Innenpolitik, bringt es auf 45 Erwähnungen.
- Bei der Süddeutschen (Print+Online) sieht es ähnlich aus: 30-mal iPhone, 18 mal Quadratwurzel, 69 mal Mindestlohn.
- Im Online-Archiv des „Nachrichtensenders“ n-tv finde ich 19 iPhone-Artikel und Videos aus den letzten 30 Tagen, 16-mal Quadratwurzel, 36-mal Mindestlohn.
Besonders bemerkenswert ist, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung heute mit dem Thema umgeht. Auf der Titelseite ist folgendes zu sehen:

Das Feuilleton macht dann also mit launigen Betrachtungen (nur für Abonnenten) in Sachen iPhone auf. Da schreibt beispielsweise Michael Althen: „So verführerisch war die Zukunft, vor der uns alle immer warnen, schon lange nicht mehr.“ Claudius Seidl darf/muss berichten, wie er in New York mit seinen amerikanischen Freunden auch im Nachtleben nur noch über das Eine reden kann, und Nils Minkmar assoziiert über die Form des iPhone: „Wenn die ersten Menschen einen Hau- oder Ritzstein benutzten, wird er so ausgesehen haben, handtellergroß und flach, vom Wasser geglätteter Granit.“ Und: „Wie alle guten Erfindungen ist auch das iPhone in Wahrheit eine Erinnerung: an die Kindheit der Menschheit [...]“ Das ist bestimmt irgendwie ironisch gemeint. Aber auch ironische Werbung bleibt Werbung. In der Unterüberschrift heißt es übrigens: „Seit Freitag gibt es das iphone zu kaufen – keine Zeit für Konsumkritik“ Ja, warum denn eigentlich nicht?
Auf Seite 41 dann berichtet Roland Lindner auf einer halben Seite unter der pathetisch-metaphorischen Überschrift "die Geburt des iPhone" über das Schlangestehen in New York und das Medienspektakel drum herum. Der Infokasten im Text ist mit „Das „Jesus Phone““ überschrieben. Für Anführungszeichen hat es gerade noch gereicht.
An diesen Artikeln wird klar, mit welch einfachem Trick auch seriöse bis gehobene Medien bei der iPhone-Orgie mitmachen können: Sie erheben sich einfach auf die nächste Reflexionsebene und blicken von da aus auf den Medienzirkus herab. Meta-Berichterstattung. Ein bisschen Augenzwinkern und Kopfschütteln über den ganzen Rummel, ein wenig Ironie als Deckmantel, und schon verschwinden die journalistischen Bauchschmerzen soweit, dass anderthalb Seiten iPhone-Artikel irgendwie doch vollkommen okay sind.
Auf der Medienseite der selben Zeitung schreibt Stefan Niggemeier heute: „[...] hat einem neuen journalistischen Genre zum Durchbruch verholfen – dem Bericht, der sich von sich selbst distanziert.“ Und: Durch die pseudojournalistische Haltung würden die Medien davon ablenken, dass „ihnen auch nur ein vages Gefühl dafür, was relevant ist und was nicht, längst grundsätzlich verrutscht ist.“
In dem Artikel geht es um Paris Hilton, nicht um das iPhone.
1. Jul, 13:09
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
M. Moritz (Gast) - 1. Jul, 19:17
Gratulation!Gratulation zu diesem Artikel, der die Gleichschaltung der großen Hure Presse fein beobachtet.
immermehr - 1. Jul, 19:32
RE: Glückwunschdanke, aber Gleichschaltung finde ich dann doch ein bisschen hart. Auch ohne Naziassoziation. Überhaupt drüber zu berichten finde ich ja ok. Nur das Ausmaß ist halt übertrieben.




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